Schlaglichter 2001

10 Thesen zur Medienkonversion

Aufgestellt von Dr. Hans Zotter, Universitätsbibliothek Graz, anläßlich der Fortbildungsveranstaltung "Allegro und mehr für Kunst- und MuseumsbibliothekarInnen" am 13. und 14.12.2001 in Wolfenbüttel

  1. Nach der Phase des Aufbaus von flächendeckenden Online-Katalogen/ Katalogverbünden für Handschriften/Inkunabeln etc. wird die Forderung nach Objektdigitalisierung immer stärker werden. Das Anbieten von digitalen Dokumenten wird zur zentralen Aufgabe der Bibliotheken werden.
     
  2. Diese digitalen Dokumente werden zu einem großen Teil Umsetzungen und Bearbeitungen bereits im Besitz von Bibliotheken vorhandener analoger Dokumente sein. Diese Konversionen werden von den besitzenden Sammlungen zum größeren Teil selbst durchgeführt werden müssen, da es sich um nicht marktfähige Arbeit handelt
     
  3. Das Ziel einer nachhaltigen Pflege und Bewahrung des historischen unikalen Sammelgutes der wissenschaftlichen Bibliotheken schließt die Option des digitalen Zugangs zwingend ein
     
  4. Für die Phase der Konversion des gesamten (oder zumindest großer Teile) unikalen bzw. des kulturgeschichtlich relevanten Dokumentengutes sind sicher mehrere Jahrzehnte anzusetzen
     
  5. Analoge Dokumente, die nicht digital vorliegen, werden in Kürze als nur eingeschränkt zugänglich empfunden werden. Ihr Erhalt und ihre Zugänglichkeit muss auf Dauer als potentiell gefährdet angesehen werden
     
  6. Die Archiv-Digitalisierung kann nur als notwendiger erster Schritt betrachtet werden. Eine nachhaltige Strategie muss die Produktion von elaborierten Dokumenten vorsehen, den Aufbau von Kulturportalen, in denen die Information in einer dem neuen Medium adäquaten Form aufbereitet ist. Diese Angebote müssen auch den derzeitigen Kanonwechsel berücksichtigen
     
  7. Aufbereitete Materialsammlungen mit einer graphischen Bedienungsoberfläche, ansprechendem Design unter Einbindung von Ton/Video-Dateien, didaktisch gestalteten Metatexten und der Verknüpfung mit On-Line-Dokumenten haben als potentiellen Markt sowohl die scientific society wie auch das breite Publikum
     
  8. Um diese Aufgabenstellungen erfüllen zu können, muss es eine Reihe neuer Berufsbilder im Bereich der Bibliotheken geben, die aus einer Verschmelzung herkömmlicher Fachkompetenz mit dem Know-how der Produktion digitaler Medien hervorgehen könnten
     
  9. Auch für eine zielführende Vermarktung von Online- und Offline-Dokumenten (Bewerbung, Vervielfältigung, Vertrieb) ist Personalkapazität und entsprechendes Fachwissen vonnöten, das derzeit nicht Bestandteil des bibliothekarischen Ausbildungsrahmens ist. Die Notwendigkeit der Vermarktung ergibt sich aus dem schleichenden Rückzug des Staates aus dem Kulturmanagement
     
  10. Der derzeitige Antagonismus zwischen Offline- und Onlinedokumenten wird an Bedeutung verlieren
     
  11. Digitale Surrogate werden das Interesse an den analogen Originalen steigern
     
  12. Nur solche digitalen Dokumente werden sich am Markt behaupten, die die Information in einem mediengerechten Design bieten

 

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