Schlaglichter 2002

Zeitungs- und Zeitschriftenauswertung und -erschließung im Verbund mit anderen bibliothekarischen Einrichtungen

 

Vortrag von Frauke Nordmann, Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) Hamburg, gehalten anläßlich der Fortbildungsveranstaltung "Zeitungen in Bibliotheken und Archiven. Baustein 3: Erschließung (via Datenbank und Ausschnittsammlung), Halle, 20. und 21. Juni 2002

Die Pressedokumentation von IfW und HWWA

Allgemeines

Der Wissenschaftsrat, ein Gremium, eingesetzt von den Zuwendungsgebern der Institute der Blauen Liste zu deren Evaluierung, forderte die Zusammen- arbeit der Presselektorate des IfW und des HWWA und empfahl, die Hamburger Pressedokumentation als Leit-Dokumentation dabei einzusetzen.

So erarbeitet die Pressedokumentation des Hamburgischen Welt- Wirtschafts-Archivs in Kooperation mit dem Institut für Weltwirtschaft einen Pressebestand, der seit 2001 in der Referenz-Datenbank ECONPRESS der Öffentlichkeit zur schnellen Verfügung steht.

Sicherlich ist es einzigartig, dass zwei Wirtschaftsforschungsinstitute eine gemeinsame Presse-Datenbank aufbauen.

Der Weg dorthin ist gekennzeichnet durch viele Stufen hin zur Profil- und Bestands-Synergie.

Am Anfang stand der Abbau der Konkurrenzen zwischen den Presse- Lektoraten, die gegenseitigen Anerkennung unterschiedlichen Expertenwissens und das Respektieren unterschiedlichen Arbeitens.

Der Wille zur Kooperation, die permanente Auseinandersetzung miteinander, konfliktreich, doch konstruktiv, zeigt sich in der Summe des vorhandenen Sachverstandes zusammengeführt in einer wohl konkurrenzlosen internationalen Presse-Referenz-Datenbank.

Die technische Umsetzung der gemeinsamen inhaltlichen Ziele, die Entwicklung einer völlig neuen Datenbank-Software, die die Daten-Migration zwischen den Instituten umsetzen muss, die eine Produktions- und eine Recherche-Landschaft entwickeln musste, die Urheberrechte wahren muss und doch ein eindeutiges und benutzerfreundliches Online-Presse-Angebot präsentieren muss, verbunden mit Bestellkomponenten im HWWA, haben v.a. die Arbeit der Hamburger Pressedokumentation über Jahre geprägt.

Inhaltliche Prioritäten

Innerhalb der großen Presse-Informationslandschaft kommt es darauf an, neue Felder zu besetzen, zu gestalten und aktiv anzubieten.

Unsere qualitativen Vorteile:

  • Auswertung eines Qualitätsjournalismus / Bewertung einer Quelle

  • Präsentation von internationalen Themenzusammenhängen

  • Zeitlich kontinuierliche Darstellung eines Themas

  • Angebot komplexer Sachverhalte in ihrer internationalen politisch-ökonomischen Verflechtung

  • Wiedergabe der Themen im politisch repräsentativen Pressequerschnitt und in unterschiedlichen Sprachen

  • Aussortieren von Informationsballast im Sinne unseres formalen und inhaltlichen Profils

  • Themenauswahl und –fokussierung als Leitmotiv

  • Keine simple Ansammlung von reinen Daten und Fakten

  • Verstärkte Auswertung von Fachzeitschriften als Angebot eines kritischen Fach- und Hintergrundmaterials

  • Schnelles Reagieren auf Nutzerprofile und Nutzergewohnheiten

  • Intelligente Aufbereitung und hierarchisch tiefe Strukturierung des Angebotes für die Recherche

  • Aktualität

  • Vor allem die Kumulation von Presse-Themen-Informationen, die sonst nur durch den Zugriff auf vereinzelte Host z.B. bei Verlagen möglich sein können.

Die Arbeit der Pressedokumentation im HWWA und im IfW seit 2001 ist durch viele neue, eng ineinander greifende Arbeitsabläufe geprägt, die zu koordinieren waren und sind. Die Elektronifizierung des Pressebestandes zweier Pressedokumentationen erzwang umfangreiche Neuorganisationen, die im Jahre 2001 fast die Hälfte der Arbeitszeit der Hamburger Dokumentation beanspruchte. Die Aufgaben wurden trotz des hohen Personalabbaus bewältigt.

Die technische und strukturelle Organisation des Übergangs von der konventionellen Archivierung zur Elektronifizierung wurde begleitet von der

  • Erarbeitung eines Themenprofils, das dynamisch auf Angebot und Nachfrage reagiert und Informationslücken schließt.

Das erfordert

  • Bestandsrevision

  • ständige Hinterfragung der Auswertungskriterien und –instrumente, um einen gut kontrollierten Bestand zu bilden.

Das bedeutet

  • Qualitätsmanagement

  • Langzeitkonzepte

  • Datensicherheit.

Die Datenbank

Die Auswahl des zu speichernden Materials, die intellektuelle Indexierung und die Datenstrukturierung für die Referenzdatenbank ECONPRESS ist nur ein Arbeitsvorgang.

Ein ausgefeiltes Suchinstrument muss eine substantielle Recherche darin gewährleisten. Eine intelligente, sprich klare, anwenderfreundliche Oberfläche soll die effiziente Suche unterstützen.

Unsere Presse-Datenbank darf keine Volltexte anbieten. Diesen vermeintlichen Nachteil gegenüber der Konkurrenz müssen wir kompensieren.

Der Zugang zu unserer elektronischen Referenzdatenbank erfolgt über die thesaurus-kompatible Formal-Klassifikation und Geobegriffe als Register und wird ergänzt von der freien Schlagwortsuche im Titel. Damit erhält die Recherche eine Unterstützung bei der Formulierung der Anfrage.

Zusätzlich werden die Indexate mit inhaltserschließenden Struktur-Daten wie Inhaltstichwörtern versehen und mit vielen Attributen zum Text angereichert, die ebenfalls such- und findbar sind.

Dadurch erhält die Recherche Zusatzinformationen zum Presseartikel, die die Auswahl erleichtern. Nach dem Bestellvorgang über einen Warenkorb werden die Dokumente im HWWA fotokopiert und als Hardcopy versandt.

Die Pressedokumentationen haben somit zwei Standbeine. Das elektronische, hierarchisch erschlossene Referenzangebot seit 2001 und die Volltext- Papierdokumentationen. Im letzteren ist die Recherche im HWWA in den umfassenden Presse-Dossiers von 1906 bis heute zu den jeweiligen Themen möglich, im IfW bis 2000. Dann übernahm das HWWA allein das Papierarchiv.

Um dem Kunden, der Kundin jedoch zusätzlich einen schnellen Zugang zu elektronischen Volltexten über die ECONPRESS-Datenbank zu ermöglichen, haben wir eine Verlinkung zu dem kommerziellen Datenbank-Anbieter GBI, Gesellschaft für Betriebswirtschaftliche Informationen, eingerichtet.

Im ECONPRESS-Dokument ist erkennbar, ob der Artikel bei GBI vorliegt.

Auf einer speziellen GBI-Website werden die Quellen angezeigt, die sowohl von ECDONPRESS als auch von GBI ausgewertet werden.

Diese Presse-Datenbaken sind schnell aufzurufen und der gewünschte Artikel kann zu GBI-Geschäftskonditionen dort bestellt werden.

Die Zugriffe auf dieses Volltextangebot über ECONPRESS werden gezählt, so dass der Bedarf überprüft werden kann.

Eine Analyse der Nutzung von Datenbanken ist ein wichtiger Bestandteil zur Reflexion darüber, welche Inhalte und welche Dokumente generiert werden sollen.

Zu diesem Zweck wurde eine interne Nutzungs-Datenbank installiert, in der die ECONPRESS-Bestellungen gezählt werden.

Eine genaue Auflistung von bestellten Themen, geographischen Regionen, Firmen, Körperschaften und Personen ist innerhalb eines beliebigen Zeitraumes möglich.

Es wurde in Hamburg ein besonderer Service eingerichtet. In speziellen Informationsprofilen werden die Artikel zu gewünschten Themen zusammengestellt und als Hardkopie automatisch in gewünschten Rhythmen versandt. Bisher konnten über 300 Aufträge eingerichtet werden. Vor allem Wissenschaftler nehmen diesen Dienst in Anspruch.

 

Kontakt und Anmeldung

Initiative Fortbildung für wissenschaftliche Spezialbibliotheken und verwandte Einrichtungen e.V.
c/o Zentral- u. Landesbibl. Berlin
Postfach 610179
10922 Berlin

Telefon: 030 70 44-16
Fax: 030 70 44-18
Mobil: 0160 99530089
E-Mail: Evelin Morgenstern 


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